„Wir sind klein und Ihr seid alt“

Kinder und Bewohner testen Konzept der VOX-Reportage

Viele Zuschauer verfolgten interessiert die Sendung „Wir sind klein und ihr seid alt“ des Fernsehsenders VOX. Die Dokumentationsreihe lässt zehn Kinder sechs Wochen lang Zeit mit älteren Menschen verbringen und berichtet über die positiven Auswirkungen auf beiden Seiten.

Auch Nicole Hartmann, Erzieherin im Kinderhaus Rüsselsheim, war begeistert von der Sendung und hatte spontan die Idee, ein solches Projekt auch im Altenpflegeheim Martin-Niemöller-Haus ins Leben zu rufen. Die Motivation im Haus war enorm, und es fanden sich schnell Mitarbeitende, die dieses Projekt mitbetreuen wollten. Constanze Gutjahr und Anja Stöckert, Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes, erarbeiteten mit Nicole Hartmann einen Projektablauf, der schnell in die Tat umgesetzt wurde. Auch in der Bewohnerschaft war das Interesse groß, und so fanden sich schnell acht Bewohnerinnen und Bewohner, die bereit waren, regelmäßig und zuverlässig an den wöchentlichen Treffen teil zu nehmen. Der Projektleitung rund um Nicole Hartmann und Constanze Gutjahr war besonders wichtig, dass die Gruppe beständig bleibt und sich so ein Vertrauensverhältnis und eine Beziehung zwischen jung und alt entwickeln kann.

Die Aufregung war auf beiden Seiten spürbar, als am 09.04.19 die acht Jungen und Mädchen zwischen vier und fünf Jahren erstmals in den Gymnastikraum kamen. Dort wurden sie schon gespannt von den acht Bewohnerinnen und Bewohnern erwartet. Gleich zu Beginn legte die Gruppe verschiedene Rituale fest, die bei jedem Treffen wiederholt wurden. Zur Begrüßung lernte die Gruppe gemeinsam das Begrüßungslied „Ich bin da, ich bin da, ich bin da… das ist wunderbar!“ Es folgten Kennenlernspiele mit dem Schwungtuch, um die Namen zu lernen. Das war gar nicht so einfach!

Anfangs bestanden noch ein paar Berührungsängste, doch sehr schnell legte sich die Unsicherheit und die Neugierde siegte. So war schon das erste Treffen ein voller Erfolg, der bei den Bewohnerinnen und Bewohnern, aber auch bei den Kindern und den Betreuer*innen Lust auf weitere Treffen machte. Und so wurde der Dienstagvormittag zu einer festen Institution. In den nächsten Treffen wurde gebastelt, Ostereier gesucht, gesungen, spazieren gegangen, das Gedächtnis trainiert und vieles mehr. Dabei entdeckten die Bewohner*innen längst verloren gegangene Kräfte und auch ihren Spieltrieb wieder. So wurde auch mal um das Rondell vor dem Haus Fangen gespielt. Auch ihre Zimmer zeigten die Bewohnerinnen und Bewohner den interessierten Kindern und ermöglichten ihnen eine ganz neue Perspektive.

Das Projekt war ein voller Erfolg und jung und alt profitierten beidseitig voneinander. Der gegenseitige Einblick in die Lebenswelt des jeweils anderen war eine große Bereicherung für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Weil alle Mitwirkenden so begeistert waren, soll das Projekt im neuen Kindergartenjahr mit einer neuen Kindergartengruppe fortgesetzt werden.