Ort der Erinnerung für verstorbene wohnungslose Menschen

Ein kleiner Baum hinter der Stadtkirche erinnert jetzt in Friedberg an verstorbene wohnungslose Menschen. An ihm hängen bunte Blätter aus Keramik mit ihren Namen.

 

Mit einem kleinen Kirschbaum wurde ein Ort der Erinnerung geschaffen.

Blätter erinnern an verstorbene Obdachlose

Ein junger Kirschbaum steht jetzt hinter der Friedberger Stadtkirche. Wer näher tritt, sieht in den Zweigen bunte Blätter aus Keramik. Auf jedem Blatt steht ein Name und erinnert an einen wohnungslosen Menschen, der in Friedberg verstorben ist. Die Blätter haben Klientinnen und Klienten des Karl-Wagner-Hauses gestaltet. Gemeinsam mit Mitarbeitenden der Einrichtung und der evangelischen Pfarrerin Susanne Domnick hängten sie im Oktober die Blätter an den Baum. „Du wirst sein wie ein Baum. Zum Andenken an die Verstorbenen der Straße“ steht auf dem Pflanzkübel, in dem der Baum steht.

Die Idee zu diesem Ort zum Erinnern und Trauern an Bekannte und Freunde hatte Birgit Pflügel, Sozialarbeiterin im Karl-Wagner-Haus. Denn oft erfährt weder unsere Einrichtung noch die evangelische Kirche in Friedberg, wo die Verstorbenen bestattet sind. Mit dem kleinen Kirschbaum wurde nun ein Ort zum Gedenken geschaffen.

Von Obdachlosigkeit betroffene Menschen sterben oft früher, im Schnitt bereits mit Mitte 50, auch wenn sie nicht tagtäglich auf der Straße leben. „Die meisten sind irgendwo bei Freunden oder Bekannten untergekommen – schlafen mal hier, mal da“, erläutert Verena Weiß, die im Karl-Wagner-Haus den ambulanten Fachbereich leitet. Oftmals in einfachsten Verhältnissen auf engstem Raum, weshalb sie sich tagsüber lieber draußen aufhielten, sich träfen, wie an der Stadtkirche oder an dem Platz hinter dem Wetterau-Museum. Dass die Lebenserwartung dieser Menschen niedriger sei, liege an der Lebensführung, erklärt Verena Weiß weiter, „und an der fehlenden Eigenfürsorge“. Meist gehen der Wohnungslosigkeit ein fehlendes soziales Umfeld, psychische und finanzielle Probleme voraus. Für viele seien die Kumpels, die man treffe, deshalb der Ersatz für die sonst fehlenden sozialen oder familiären Bindungen. „Daher ist es so wichtig, den Menschen einen Ort der Erinnerung zu geben.“